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126 Stromversorger drehen am Preis

Am 1. Juli fällt die Preisaufsicht für Stromanbieter weg - prompt wollen 126 Anbieter ihren Preise erhöhen. Grund: angeblich gestiegene Beschaffungskosten - nur blieben die konstant. Stromkunden zahlen nun über sieben Prozent mehr als vor einem Jahr.

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Mindestens 126 Energieversorger  nutzen nach einem Pressbericht den Wegfall der Preisaufsicht zum 1. Juli, um ihre Strompreise zu erhöhen. Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) am Samstag berichtete, hat das Verbraucherportal Verivox einen durchschnittlichen Anstieg des Grundversorgungstarifs um 7,7 Prozent errechnet. Weitere Erhöhungen werden erwartet.

Preise steigen um sieben Prozent

Die Stromrechnung für einen Haushalt mit 4000 Kilowattstunden  im Jahr steige damit auf durchschnittlich 815 Euro jährlich und liege fast sieben Prozent höher als zur Jahresmitte 2006. Manche Kunden wie in Weißenfels in Sachsen-Anhalt müssten sogar um 34 Prozent höhere Preise verkraften und 1100 Euro für 4000 Kilowattstunden bezahlen.

Die meisten Anbieter begründeten die Erhöhung mit gestiegenen Beschaffungskosten. Allerdings sei der dafür maßgebliche Großhandelspreis an der Strombörse  in Leipzig in den vergangenen zwölf Monaten nicht gestiegen, sondern im Trend auf hohem Niveau gleich geblieben, schreibt die Zeitung.

Eon und RWE halten Preise konstant

Zu den großen Anbietern, die den Grundtarif erhöhen, gehörten Vattenfall in Berlin und Hamburg, die Düsseldorfer Stadtwerke und die Envia Mitteldeutsche Energie AG in Brandenburg. Die beiden größten deutschen  Versorger Eon und RWE hatten angekündigt, ihre Preise vorerst konstant zu halten.

Die Länder hatten die Genehmigungspflicht der Strompreise von diesem Sonntag an abgeschafft, weil die entsprechende Verordnung ein untaugliches Mittel gegen steigende Preise sei. "95 Prozent der Endkundenpreise konnten nicht von den Ländern beeinflusst werden", zitiert die Zeitung den hessischen Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU), der dies Instrument bisher nutzte, um den Preisanstieg zumindest zeitweise zu dämpfen. "Daher war die Preisaufsicht ein stumpfes Schwert", stellte Rhiel fest. Baden-Württemberg hatte die Preisaufsicht bereits im Jahr 2000 abgeschafft.

"Zeiten billiger Energie sind vorbei"

Der Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) schätzt, dass die Strompreise 2007 in Deutschland im Schnitt um fünf Prozent steigen und auch künftig weiter klettern werden. Oder wie Verbandschef Werner Brinker es ausdrückt: "Die Zeiten billiger Energie sind vorbei."

Wer ein Schreiben erhält, dass man vorübergehend wieder von der Grundversorgung Strom erhält, sollte direkt reagieren: den Stromversorger um Informationen bitten, dafür eine Frist setzen und vorsorglich kündigen. Sonst kann das unter Umständen teuer werden.

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Kann ein Stromunternehmen keinen Strom mehr liefern, sollten Kunden sofort den Vertrag kündigen. Durch einen Anbieterwechsel können sonst doppelte Kosten entstehen.(Foto: dpa)

Wer statt von seinem Stromunternehmen plötzlich wieder von der Grundversorgung beliefert wird, sollte direkt den noch bestehenden Vertrag kündigen. Sonst muss man unter Umständen gleichzeitig mehrere Stromverträge bezahlen.

Die Grundversorgung oder das Unternehmen selbst informieren über so einen Wechsel. Darauf weist die Verbraucherzentrale Brandenburg hin. Kann der übliche Stromversorger dem geschlossenen Vertrag zumindest vorübergehend nicht nachkommen, steht nach Ansicht der Verbraucherschützer den Stromkunden ein Sonderkündigungsrecht zu. Daneben sollten sich die Kunden schnellstmöglich einen neuen Anbieter suchen, denn der Grundversorgungstarif sei meist deutlich teurer als individuell abgeschlossene Verträge.

Ist die Informationslage noch unklar, sollten Stromkunden in dem Kündigungsschreiben ihren Lieferanten zunächst auffordern, schriftlich zu bestätigen, dass man auch weiterhin zuverlässig mit Strom versorgt werde. Für die Antwort wird eine Frist von zehn Tagen gesetzt - mit dem Hinweis, dass andernfalls mit dem Schreiben bereits vorsorglich der Liefervertrag gekündigt werde.

Kommt bis dahin keine Bestätigung über eine Weiterbelieferung, kann man sich einen neuen Versorger suchen. Diese Kündigung bleibt den Informationen zufolge auch dann wirksam, wenn das Unternehmen später doch wieder in der Lage sein sollte, die Stromlieferungen fortzusetzen.

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Betroffene sollten nun auch ihr Lastschriftmandat beenden und eine Schlussrechnung einfordern. Die Verbraucherschützer raten aber, keine unklaren Rechnungen mit nicht nachvollziehbaren Nachzahlungsforderungen zu begleichen.

Ein Teil der Kunden des Hamburger Stromanbieters Care Energy werden bis auf weiteres von ihrem Grundversorger beliefert. Das Unternehmen und der Netzbetreiber 50Hertz hatten gegenseitig Verträge, in der die Stromentnahme aus dem Netz geregelt ist, zu Ende Juni gekündigt. Davon betroffen sind den Angaben zufolge Kunden in Ostdeutschland und Hamburg. Care Energie teilte Ende Juni mit, dass die Betroffenen "während der Klärphase in die Grundversorgung" fielen, für die daraus folgenden Mehrkosten werde das Unternehmen aufkommen.

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